Nur ich nicht!

Er geht ohne ein Wort zu sagen aus dem Haus, setzt sich in den Bus und fährt auf die Arbeit. Plötzlich steigt ein komischer Geruch in seine Nase. Er schaut sich um, schaut nach vorne, nach hinten, da entdeckt er ein kleines, blondes Mädchen. "Ihh! Das ist ja richtig eklig" denkt er und schaut sich schon nach einem neuen Platz um. "Hmm, vorne links sieht's eigentlich ganz gut aus". Daraufhin steht er auf und setzt sich auf den neuen Platz.

 

Kaum sitzt er 5 Minuten, riecht er wieder etwas Seltsames. "Oh nein" denkt er sich "der Busfahrer!" Und wieder sucht er sich einen anderen Platz, schaut nach hinten und bemerkt dass die komplette rechte Seite frei ist. Bis auf einen Platz. Da sitzt eine alte Dame. Er setzt sich so weit wie möglich von ihr weg, schließt die Augen, will sich gerade entspannen... und wieder nimmt er etwas Unangenehmes wahr. "Die Oma, ganz klar!". Jetzt bleibt er jedoch sitzen und steigt zwei Stationen früher aus. "Lieber gehe ich zu Fuß",sagte er zu sich selbst, "als in einem stinkenden Bus zu fahren."

 

Auf der Arbeit angekommen setzt er sich an seinen Arbeitsplatz, grüßt den neben sich sitzenden Kollegen, will gerade anfangen sich einen Überblick über den heutigen Arbeitstag zu verschaffen als er plötzlich merkt, dass etwas mit seinem Nachbar nicht stimmt. Von ihm geht ein ganz merkwürdiger Geruch aus. Er dreht sich zu ihm um und denkt "Nein! Jetzt muss ich einen ganzen Tag neben dieser Stinkbombe verbringen". Dieser grinst ihn nur fragend an. Nach einem halben Arbeitstag begibt er sich so schnell wie möglich in die Mittagspause. Er will in die Stadt, um dort etwas zu essen. Auf dem Weg überlegt er sich seinem Kollegen heute mal ein kleines Geschenk zu machen. Er läuft in das nächste Geschäft und kommt mit einem verpackten Deo wieder raus. "So, erledigt!" sagt er zu sich selbst und geht zu seiner Lieblingsimbissbude.

 

Dort trifft er einen alten Freund. Bei ihm fängt er schließlich an sich zu beschweren, dass heute ein sehr ungewöhnlicher Tag sei, dass heute alle stinken, und sein Kollege erst! Doch dann unterbricht er ganz plötzlich seine Beschwerde... da ist ja schon wieder dieser Geruch. Jetzt auch noch sein Freund, "Schnell weg!" Noch bevor die Mittagspause vorüber ist, geht er ins Büro. Er kommt bisschen früher wegen dem Geschenk. Endlich angekommen schenkt er das Deo seinem verlegenem Kollegen und fängt an diesem zu erklären wie man es benutzt, was es bewirkt und vor allem wann man es besonders nötig ist. "So, jetzt kann ich in Ruhe weiter arbeiten!" Als er jedoch sieht wie dieser das Deo einfach in seine Tasche steckt, beschließt er seinen Arbeitstag heute früher zu beenden, unter dem Vorwand er habe Kopfschmerzen wegen komischer Gerüche.

 

Der Arbeitstag war jetzt endlich beendet. Der Geruch jedoch verfolgte ihn weiter. Seine Frau holt ihn ab. Im Auto sitzend merkt er, dass ihn auch hier dieser nervende Gestank nicht verlässt. "Aha sie also auch!" denkt er sich und redet den Rest des Abends kein Wort mehr mit ihr, um ihr klar zu machen dass sie stinkt. Gerade als er zu Bett gehen will und ganz alleine im Schlafzimmer sitzt, steigt ihm wieder dieser unaufhörliche Gestank in die Nase. Er durchsucht das ganze Zimmer, alle Klamotten, schaut unter das Bett, in den Schrank ob sich nicht jemand versteckt hat. "Ahhh! Die Kleidung meiner Frau, die muss ich so schnell wie möglich entfernen!" sagt er in einem wütenden Ton, nimmt alle Klamotten und legt sie raus auf den Balkon. Er schließt die Tür, will sich gerade hinlegen, riecht aber schon wieder etwas ganz ekliges. Und dann, ja erst dann merkt er dass er eigentlich derjenige ist der den ganzen Tag schon stinkt.

Vom Autor: Oft ist es bei uns Menschen nicht anders wie bei diesem Mann. Alles um uns herum ist schlecht, jeder macht alles falsch. Jeder ist böse und aggressiv, nur ich nicht. Wir gehen zu Fremden, zu Kollegen und schließlich zu unserer Familie und schenken ihnen "Deo" gegen ihren Geruch. Wir sehen nur Fehler der anderen. Und meckern diese an, machen ihnen Vorwürfe und ermahnen sie sogar oftmals. Doch manchmal reicht es einfach in uns selbst zu schauen und wir merken, dass alles, was uns in anderen nicht gefällt, in uns vorhanden ist. 

 

Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge, und wirst nicht gewahr des Balkens in deinem Auge? Oder wie darfst du sagen zu deinem Bruder: Halt, ich will dir den Splitter aus deinem Auge ziehen, und siehe, ein Balken ist in deinem Auge? Du Heuchler, zieh am ersten den Balken aus deinem Auge; darnach siehe zu, wie du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst! 

Matthäus 7:3-5

 

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